JES Bielefeld e.V.

Fachtag in Bielefeld

Am 06.11.2007 veranstaltete JES Bielefeld, zusammen mit örtlicher Dobs und AIDS-Hilfe, im Bielefelder Rathaus einen Fachtag im Rahmen der Suchtwoche. Das Gesamtkonzept war in langer Vorarbeit gemeinsam erstellt worden und unser Thema lautete:
"25 Jahre BtMG - Lösung oder Verfestigung des Drogenproblems?"

Wie 1981 beschlossen, wurde das BtMG 1982 in mehreren wichtigen Punkten verändert. Der § 35 Therapie statt Strafe“ trat in Kraft, Kronzeugenregelung und eine Höchststrafe von fortan 15 Jahren wurden eingeführt. Allgemein zu beobachten ist dennoch weiterhin die gesellschaftliche Stigmatisierung, Kriminalisierung, Beschaffungskriminalität und -prostitution sowie soziale und gesundheitliche Verelendung von Drogengebrauchern.

Drei Referate sowie die anschliessende Podiumsdiskussion beschäftigten sich bei unserem Fachtag mit diesen Inhalten und Auswirkungen des Betäubungsmittelrechts.

Nach der formalen Begrüssung referierte der Jurist Helmuth Pollähne von der Uni Bremen über Geschichte, Zielsetzungen und Entwicklungen des BtMG. In Anschluss hielt Heino Stöver seinen interessanten Vortrag über die sozial- und gesundheitspolitischen Aspekte des Betäubungsmittelgesetzes. Der letzte Referent, Uwe Verthein vom ZIS Hamburg berichtete über das bundesdeutsche Heroinprojekt, welches vom ZIS koordiniert wird, und erlaubte so einen Blick auf aktuellste Entwicklungen und sich abzeichnende Perspektiven.

Für die anschliessende lebhafte Diskussion wurde das Podium erweitert um: Jürgen Heimchen vom BV der akzeptierenden Eltern, Dirk Schäffer von der DAH, Rolf Buschkamp von akzept NRW und Axel Hentschel von JES NRW.

podium

Erwartungsgemäss zogen die Fachleute mehrheitlich ein eher deprimierendes Fazit. Schon vor langer Zeit habe man aktiv werden müssen, um das BtMG in dieser Form zu verhindern. Nun sei es vermutlich zu spät und man sitze evtl. in 25 Jahren wieder in Bielefeld, um dann "50 Jahre BtMG"..... Die Heroinvergabe, dies stellte Dr. Verthein vom ZIS in diesem Zusammenhang unmissverständlich klar, werde mittelfristig nur für einen sehr überschaubaren Personenkreis infrage kommen. Aber das ahnen wir ja schon länger.

Insgesamt handelte es sich um eine sehr gut besuchte Veranstaltung, die in ansprechender Umgebung unter Nutzung modernster Technik von allen Beteiligten professionell durchgeführt wurde. Die 3 Referenten - insbesondere aber die Zusammensetzung des Podiums - lassen ahnen in welchem Maße JES sich im Vorfeld bei den Planungen eingebracht hatte.

publikum

Die Resonanz auf den Fachtag war bislang weit überwiegend sehr positiv, sodass dies bestimmt nicht unser letztes gemeinsames grösseres Projekt gewesen sein dürfte.

Mathias Häde